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Verwirrung um den Heilpraktiker

... großer, kleiner, sektoraler HP? Wir klären auf!

Großer HP

Der große Heilpraktiker erschließt die Möglichkeit in allen Bereichen, die dem HP zugängig sind, Menschen zu heilen. "... Heilkunde ist ... jede Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden bei Menschen...“ (HeilprG, §1, Abs. 2)

Kleiner HP

Der kleine Heilpraktiker ist gegenüber dem großen HP insofern eingeschränkt, als dass nur psychische Beschwerden behandelt werden dürfen.

Sektoraler HP

Der sektorale Heilpraktiker ermöglicht seit 2007 Physiotherapeuten unabhängig und ohne Zuweisung durch einen Arzt Menschen zu behandeln.

Allgemeiner HP

Das Kräuterweiblein und der Bader hatten lange eine wichtige medizinische Funktion inne - man kann von "Handwerksärzten" sprechen. Ab dem Mittelalter wurden die ärztliche Ausbildung staatlich organsiert. „Erste Medizinalordnungen regelten Studium, Ausbildung, Prüfung, Tätigkeit und Bezahlung der Ärzte [...]“ (Heudorf, Carstens, Exner, 2010: 245).

1871 wurde im deutschen Reich die Gewerbeordnung eingeführt und somit die Gewerbefreiheit auch auf medizinische Berufe ausgedehnt. Die Verordnung erlaubte ausdrücklich die Ausübung der Heilkunde auch für nicht-approbierte Personen (Kurierfreiheit).

Verschiedenste Interessensvertretungen versuchten lange Zeit dieses Gesetz abzuschaffen, zum Schutz der Bevölkerung vor Kurpfuschertum. Nach einigen gescheiterten Versuchen (1909, 1930) wurde schließlich 1939 das Heilpraktikergesetz eingeführt. Hierin wird explizit aufgeführt: „Wer die Heilkunde, ohne als Arzt bestallt zu sein, ausüben will, bedarf dazu der Erlaubnis“ (§1 Abs. 3).

Nach Ende des Krieges wurde das Gesetz mit Änderungen fortgeschrieben und gesichert.
Personen, die einen Heilberuf ausüben wollen, müssen nach diesem Gesetz folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Mindestalter 25 Jahre (§2 Abs. 1 a)
  • Mindestvoraussetzung Hauptschulabschluss (§2 Abs. 1 d)
  • sittliche Zuverlässigkeit und Fehlen strafrechtlicher Verfehlungen (§2 Abs. 1 f)
  • gesundheitliche Eignung (§2 Abs. 1 g)
  • bestandene Überprüfung durch ein Gesundheitsamt, bedeutet im konkret das Fehlen einer Gefahr für die Volksgesundheit (§2 Abs. 1 i)


HP Psychotherapie

1993 wurde nach 8-jährigen Gerichtsverfahren beschlossen, dass Personen „die nur die Ausübung der Psychotherapie [erstreben]“ (BVerwG, 21.01.1993 - BVerwG 3 C 34.90) eine verkürzte Überprüfung abschließen müssen, auch bekannt unter „Heilpraktiker beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie“. Der „kleine“ HP war geboren.

Sektoraler HP (Physiotherapie)

Durch diesen Erfolg bestärkt, errungen die Physiotherapeut*innen ein vergleichbares Urteil. 2007 schuf der Bundesgerichtshof Leipzig die Möglichkeit eine gegenständlich beschränkte (sektorale) Heilpraktikererlaubnis zu erlangen (BVerwG 3 C 19.08). Damit ist es möglich Physiotherapie als eigenständige und abgrenzbaren Heilberuf auszuüben, unabhängig von Zuweisungen von Ärzten oder allgemeinen Heilpraktikern.

Wie schaut die Zukunft des Heilpraktikers aus?

Am 08.10.2015 verbot das Oberlandesgericht Düsseldorf (AZ: I-20 U 236/13) Physiotherapeuten die Bewerbung der Osteopathie, es sei denn, er besitze eine Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde (§1 HeilprG).

Grundaussagen:

  • Osteopathie ist Heilkunde, deren Ausübung die Heilerlaubnis erfordert.
  • Eine erfolgreich abgeschlossene Osteopathie-Ausbildung ersetzt keine Heilerlaubnis.
  • Eine ärztliche Anordnung ersetzt keine Heilerlaubnis.

Was das genau für Osteopathen bedeutet, finden Sie hier.

Falls Sie Fragen haben, zögern Sie nicht, wir beantworten gerne Ihre Fragen.



Quellen:

Gerichtsbeschluss HP Psychotherapie
www.jurion.de

Gerichtsbeschluss sektoraler HP
www.bverwg.de

Gerichtsbeschluss Osteopathie
www.justiz.nrw.de

Heudorf, Carstens, Exner (2010): Heilpraktiker und öffentliches Gesundheitswesen. Bundesgesundheitsblatt 2010. S. 245-257.

HP-Gesetz:
www.gesetze-im-internet.de

Das "Osteopathie-Gesetz"
www.physiotalk.de

Das inama-Konzept

Im Jahr 2001 entwickelte Paul Inama ein Konzept speziell für die Zielgruppe "medizinisch Vorgebildete" abzielt und Sie kompakt und kompetent auf die Prüfung zum Heilpraktiker vorbereitet.
Durch die Heilpraktikerausbildung wird folgendes ermöglicht.

  • Unabhängigkeit von gesundheitspolitischen Veränderungen und Verordnungen
  • eigenständiges Diagnostizieren und Behandeln (über die laut Physiotherapeuten-Gesetz reichenden Befugnisse hinaus, die sonst nur Ärzten und Heilpraktikern vorbehalten sind)
  • rechtliche Sicherheit in der Ausübung verschiedener Therapieverfahren wie Osteopathie, TCM (Akupunktur), Fußreflexzonen-Therapie und anderen naturheilkundlichen Methoden, die der Physiotherapie nahe sind
  • höhere fachliche Kompetenz durch erweitertes differentialdiagnostisches Wissen

 

"Alles Wissen und alle Vermehrung unseres Wissens endet nicht mit einem Schlusspunkt, sondern mit Fragezeichen." (H. Hesse)